Tierärztliche Notversorgung in Landeshauptstadt seit Jahren unterfinanziert und gefährdet.

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Linke fordert den Oberbürgermeister auf, einen runden Tisch mit allen Veteränermediziner:innen, Polizei, Feuerwehr und den Fachkräften des Tierheims im 1. Quartal 2024 einzuberufen. Tierheim Schwerin arbeitet seit Jahren personell und finanziell an der Belastungsgrenze. Mittel in diesem Bereich müssen im kommenden Doppelhaushalt aufgestockt werden.

Mit der tierärztlichen Notversorgung in der Landeshauptstadt steht es nicht zum Besten: Das ansässige Tierheim währe ohne den engagierten (und oft auch unbezahlte) Mehrarbeit leistenden Einsatz des Fachpersonals kaum in der Lage, seine vierbeinigen oder geflügelten Schützlinge zu betreuen. Aber auch manche ansässigen Tierärztinnen und Tierärzte schauen mit Sorgenfalten auf die Versorgungssituation in Schwerin, insbesondere was die Versorgung von kranken oder verletzten Wildvögeln (z.B. Enten, Schwäne, Greifvögel) anbelangt. 

„Wir müssen es auch einmal offen aussprechen: Das Tierwohl ist insbesondere mit Blick auf den Umgang mit Fundtieren, aber auch in Anbetracht der veterinärmedizinischen Versorgung von verletzten Wildvögeln, in der Landeshauptstadt akut gefährdet.“, so Dr. Daniel Trepsdorf, stellvertr. Vorsitzender der Linksfraktion in der Stadtvertretung und Vors. des Gesundheitsausschusses in der Landeshauptstadt. Neben gesetzlichen Regelungsdefiziten – etwa mit Blick auf geltende Quarantänebestimmungen von potenziell infizierten Wildtieren (Stichwort: Vogelgrippe) – sind nicht zuletzt Bürgerinnen und Bürger, die ein verletztes Tier oder so gen. Streunerkatzen auffinden, stark verunsichert. Vor allem, was die finanzielle Begleichung der Behandlungskosten in der Versorgung von Fundtieren angeht.

Die Zuweisungen der Landeshauptstadt an das hiesige Tierheim stagnieren seit Jahren, die Lage wird dramatisch, wenn man die hohe Inflation sowie die erklecklich gesteigerten Kosten für Energie, Heizung, Futtemittel etc. zugrunde legt.

Ab Jan. 2024 wird gemäß der Verwaltungsvorschrift über das Verfahren zum Umgang mit Fundtieren* die Sachlage landesseitig neu geregelt. Nicht zuletzt dadurch werden alle ansässigen Tierärztinnen und Tierärzte auch in der Nacht in die notdienstliche Versorgung von Streunern oder verletzten Wildtieren eingebunden. Dennoch ist in Schwerin neben der Ausstattung mit Notklappen für aufgefundene Tiere nach wie vor die Finanzierung der veterinärmedizinischen Versorgung in prekärer Schieflage.

"Fakt ist, dass sich auch hier die Landeshauptstadt einen „schmalen Fuß“ macht, wenn es um die am Tierwohl orientierte Versorgung und vor allem die Finanzierung von in Not geratenen pfoten- und flügeltragenden Mitgeschöpfen geht.“, beklagt Dr. Trepsdorf. „Gerade das Tierwohl darf auf dem sakrosankten `Altar des Konsolidierungsdrucks` der kommunalen Finanzen nicht geopfert werden.“ 

Ein Beispiel aus der Praxis: Gerade in Zeiten kursierender Infektionskrankheiten in MV sei auch auf folgenden brisanten Sachverhalt hingewiesen: So ist es gelebte Praxis, dass insbesondere verletzte Wildvögel von der Feuerwehr aus Mangel an Quarantänemöglichkeiten und med. Räumlichkeiten in der Landeshauptstadt in die Tierklinik (Tiergesundheitszentrums Schwerin-Neumühle) gebracht wurden. Laut Gesetz (GeflPestSchV) dürften die verletzten Tiere indes nicht einmal die Schwelle der Klinik passieren, da dort auch Hühner und andere Vögel behandelt werden. Zudem ist wegen der Vogelgrippe kein Verbleib von Wildvögeln möglich. Wenn dann doch – aus der blanken Not mit Blick auf das Tierwohl heraus – z.B. Greifvögel ein bis zwei Tage medizinisch versorgt werden müssen, gibt es in Schwerin und Umgebung keine Wildtier-Station, die sich z.B. um geschützte Seeadler o.ä. kümmern könnte und diese auch professionell wieder auswildert.

Die Linksfraktion möchte bei diesem Thema Verbesserungen nach vorn bringen. Sie fordert vom OB die Einberufung eines Runden Tisches, wo Verwaltung, Veterinärmediziner, das Tierheim, Feuerwehr und Polizei gemeinsam Lösungen diskutieren sollen. Zudem steht in Rede, dass die Mittelzuweisung der öffentlichen Hand, die an das Tierheim erfolgt, spätestens in den Haushaltsjahren 2025/2026 aufgestockt und dynamisiert werden. Zusätzlich 30.000 Euro soll die Landeshauptstadt für die tierärztliche Notversorgung von Streunern und Fundtieren zur Verfügung stellen. „Der aus medizinischer Sicht professionelle aber auch der ethisch korrekte Umgang mit unseren Mitgeschöpfen sollte uns diese überfälligen Schritte zweifellos wert sein!“, schließt Trepsdorf seine Ausführungen.