Wie die Made im Speck? Vergleich der Rentenkaufkraft in Ost und West hinkt
Zur wiederholten Bewertung einer Prognos-Studie zur Regionalen Rentenkaufkraft, wonach das Preisniveau tendenziell in Ostdeutschland geringer und die Renten höher sind, wodurch die Rentenkaufkraft besser sei als im Westen, erklärt die Vorsitzende der Linksfraktion, Jeannine Rösler:
„Bei genauerer Betrachtung der Datengrundlage ist die Schlussfolgerung, die Kaufkraft im Osten sei höher, nicht zu halten. Zunächst berücksichtigt die Studie ausschließlich Renten aus der gesetzlichen Versicherung. Im Osten, auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die gesetzliche Rente meist die einzige Einnahmequelle im Alter. Anders als im Westen profitieren nur wenige von Betriebsrenten und Erbschaften. Darüber hinaus gab es aufgrund des geringen Einkommensniveaus und unterbrochener Berufsbiografien kaum Möglichkeiten, in eine gute Lebensversicherung einzuzahlen. Auch zusätzliche Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung haben die allerwenigsten.
In der Tat beziehen Frauen im Regelfall höhere Renten als im Westen. Sie haben aber auch – anders als in Westdeutschland – ein Leben lang zumeist in Vollzeit gearbeitet und eingezahlt, enorme Belastungen gemeistert. Vor diesem Hintergrund und der praktizierten Rentenberechnung sind die Renten im Gegenteil zu mager. Viele wurden zudem mit der Wende schlechter gestellt, wie beispielsweise in der DDR-Geschiedene. Noch immer verweigert der Bund etlichen Berufs- und Personengruppen die Anerkennung ihrer DDR-Zusatzrenten.
Darüber hinaus wurden in der Prognos-Studie Angebotsmieten im Zeitraum von 2013 bis 2021 ausgewertet. Tatsächlich steigen diese seither rasant, insbesondere in Rostock. In die Studie flossen weder die Quote an Wohneigentum noch die Betriebskosten ein. So liegt die Eigentumsquote in Mecklenburg-Vorpommern bei rund 38 Prozent, während sie in Niedersachsen 49, in Baden-Württemberg über 48 und in Bayern bei fast 46 Prozent liegt. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Häuser erst nach der Wende gebaut wurde. Statt fürs Alter etwas zurücklegen zu können, mussten Kredite bedient werden, um im Alter schuldenfrei zu sein.
Bekanntermaßen bilden die Betriebskosten die zweite Miete, gerade in Mecklenburg-Vorpommern. Die Preise für Strom, Wasser, Abwasser und Fernwärme liegen weit höher als im Westen. Hier treffen große Investitionen in ein umfangreiches Infrastrukturnetz auf wenige Nutzende im am dünnsten besiedelten Land mit wenig Industrie. Das treibt die Kosten hoch.
Rentnerinnen und Rentner leben in Mecklenburg-Vorpommern mitnichten wie die Made im Speck – im Gegenteil, die Altersarmut steigt. Der Vergleich der Rentenkaufkraft in Ost und West hinkt gewaltig.“
