Unerträglich: Psychisch erkrankte Menschen sind erste Opfer der Kürzungen im Gesundheitswesen
Zu den bekanntgewordenen Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin:
„Der Erweiterte Bewertungsauschuss als Schiedsstelle für die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den Spitzenverband der Krankenkassen hat entschieden, die Honorare für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April zu senken. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Psychotherapeut:innen, sondern vor allem der betroffenen Erkrankten. Sie sind die ersten Opfer der aktuellen Finanzkrise unseres Gesundheitssystems. Und dies nur, um eine deshalb angeblich unvermeidbare weitere Anhebung der Krankenkassenbeiträge zu verhindern.
Ja, die Krankenkassen stehen unter erheblichem Finanzdruck und wollten die Honorare sogar noch stärker kürzen. Aber auch der jetzt gefundene Kompromiss ist inakzeptabel, da er die Entwicklung der Betroffenenzahlen und die aktuelle Versorgungssituation völlig außer Acht lässt. Jede Kürzung in diesem Bereich führt zu längeren Wartezeiten und diese zu schwerwiegenderen, ggf. chronischen Erkrankungen und längeren Ausfallzeiten, die teuer bezahlt werden müssen. Die vorhandenen Kapazitäten werden dann noch stärker als bisher von Privatpatienten beansprucht – die Zwei-Klassen-Gesundheitsversorgung wird weiter zementiert, statt abgebaut. Das System der Selbstverwaltung ist wie auch schon beim Hebammenhilfevertrag erneut gescheitert. Entscheidungen für oder in diesem Fall gegen die Gesundheit der gesetzlich Krankenversicherten werden nach Kassenlage getroffen.
Meine Fraktion fordert die Bundesregierung auf, die Krankenkassen umgehend durch Bundeszuschüsse finanziell zu entlasten und weitere Leistungskürzungen zu verhindern. Die Zwei-Klassen-Gesundheitsversorgung muss beendet und die bestmögliche Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Deutschland durch eine solidarische und zukunftsfeste Finanzierung derselben gesichert werden.“
