SPARTA oder der Großdeutsche Verein des 21. Jahrhunderts
Zur Vorstellung des sogenannten „SPARTA“-Papiers von Tom Enders, René Obermann, Moritz Schularick und weiteren Exponenten der Rüstungs‑ und Wirtschaftslobby erklärt der friedenspolitische Sprecher der Linksfraktion Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Koplin:
„Europa diskutiert gerade darüber, ob hunderte Milliarden Euro in neue Panzer, Raketen und Drohnen gesteckt werden sollen. Und kaum liegt mit ‚ReArm Europe‘ ein völlig überdimensionierter EU‑Aufrüstungsplan auf dem Tisch, melden sich schon die Falken der Privatwirtschaft mit der nächsten Eskalationsstufe. SPARTA ist nichts anderes als der Großdeutsche Verein des 21. Jahrhunderts: ein Projekt wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Eliten, die Europa mit Hightech‑Rüstung zur militärischen Führungsmacht formen wollen, und Deutschland an die Spitze dieser Hierarchie.
Wo vor dem Ersten Weltkrieg Großmachtfantasien vom ‚Platz an der Sonne‘ träumten, heißt es heute ‚europäische Tech‑Souveränität‘ und ‚Führungsrolle in der Hochtechnologie‘. Dahinter steckt dieselbe Logik: Aufstieg durch Aufrüstung, geopolitisches Muskelspiel statt zivile Konfliktlösung. Nur dass die Kanonenboote heute Drohnenschwärme, Unterwassersensornetze und nuklear aufgeladene Abschreckungssysteme heißen.
Es ist fassungslos machend, mit welcher Unverfrorenheit hier eine Allianz aus Ex‑Managern, Rüstungsindustriellen und Ökonomen der Politik vorschreiben will, Europa in ein technokratisches Kriegsprojekt zu verwandeln. SPARTA verkauft Militarisierung als Innovationsstrategie, Rüstung als Wachstumsmodell und nukleare Aufrüstung als nüchterne Sachentscheidung. Das ist nicht modernes Regieren, das ist großmachtpolitisches Denken im Tarnanzug der Start‑up‑Sprache.
Wer SPARTA liest, sieht ein Europa, das nicht durch Diplomatie, Abrüstung und wirtschaftliche Kooperation stark werden soll, sondern durch permanente Aufrüstung, Drohnenwälle und neue nukleare Abhängigkeiten. Dieses Denken hat Europa schon einmal in die Katastrophe geführt – damals mit Pickelhaube, heute mit PowerPoint‑Folie.
Unsere Antwort kann nur lauten: Platzverweis für diesen Großdeutschen Verein 2.0. Es braucht keine Eliten‑Manifeste für die militarisierte EU, sondern eine demokratische Diskussion über Sicherheit, die mit Frieden, sozialer Sicherheit und internationalem Recht beginnt, nicht mit der nächsten Wunschliste der Rüstungsindustrie.“
