Kunst gegen Kälte: Filmkunstfest MV zeigt die Kraft von Empathie und Solidarität
Zur Preisverleihung beim 35. Filmkunstfest MV erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke-Annette Schmidt:
„In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft von Lautstärke, Spaltung und Unsicherheit geprägt sind, brauchen wir Orte, die Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen. Das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern hat eindrucksvoll gezeigt, was Kultur vermag: Sie verbindet Generationen, öffnet Herzen und schafft gerade in herausfordernden Zeiten Hoffnung. Dieses Festival ist ein Ort der Begegnung, der Empathie und des gesellschaftlichen Miteinanders.
Besonders bewegend war die feierliche Preisverleihung im Schweriner Capitol. Der große Gewinner des Abends wurde der Spielfilm OUR GIRLS von Regisseur Mike van Diem. Der Film, der sowohl den Hauptpreis ‚Fliegender Ochse‘ als auch den Publikumspreis erhielt, erzählt von Freundschaft, Verantwortung und den schmerzhaften Momenten, in denen menschliche Gewissheiten ins Wanken geraten. Aus einem gemeinsamen Urlaub zweier befreundeter Familien entwickelt sich ein Drama, das die Figuren an moralische Grenzen führt und zugleich die Frage stellt, was Menschen füreinander tragen können – und müssen. Gerade diese Erzählung über Zerbrechlichkeit, Schuld und Mitgefühl berührt weit über den Kinosaal hinaus.
Den emotionalsten Moment des Festivals bescherte ein Mann, dessen Gesicht und Stimme Generationen begleitet haben: Armin Mueller-Stahl. Als der Jahrhundertkünstler den Ehrenpreis ‚Goldener Ochse‘entgegennahm, lag spürbare Dankbarkeit im Raum. Es war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen ein Saal innehält – voller Respekt, voller Erinnerung, voller Wärme. Mit über 140 Filmen, großen Rollen in Ost und West, in Europa und Hollywood steht Armin Mueller-Stahl wie kaum ein anderer für ein Künstlerleben voller Wandlungsfähigkeit, Haltung und schöpferischer Kraft: als Schauspieler, Musiker, Autor und Maler.
Für die Linksfraktion ist diese Ehrung auch eine Würdigung ostdeutscher Kulturgeschichte. Armin Mueller-Stahl verkörpert eine Generation von Künstler:innen, deren Biografien von Umbrüchen geprägt waren – und die dennoch nie aufgehört hat, Haltung zu zeigen. Dass er einst öffentlich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte und dafür persönliche Konsequenzen tragen musste, macht seine Lebensgeschichte auch zu einer Geschichte von Mut und Haltung. Armin Mueller-Stahl erinnert uns daran, dass Kunst niemals unpolitisch ist. Sie kann Trost spenden, Fragen stellen, widersprechen und Hoffnung geben. Sie hält Erinnerungen lebendig und macht sichtbar, was Menschen verbindet. Gerade deshalb müssen wir Kultur schützen und stärken.
Was bleibt, lässt sich nicht in Zahlen messen: Es sind die Tränen nach einem bewegenden Film, die Gespräche im Foyer, das gemeinsame Schweigen nach einer großen Szene – und der minutenlange Applaus für die Künstler:innen, Organisator:innen und Sponsor:innen. Schwerin war in diesen Tagen ein Ort des Kinos – aber vor allem ein Ort der Menschlichkeit. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung erinnert uns das Filmkunstfest daran, wie viel Hoffnung, Nähe und Zusammenhalt in gemeinsamer Kultur liegen.“
