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Beschäftigte brauchen sichere Perspektiven statt künftig vier Jahre Unsicherheit

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Entwicklung befristeter Beschäftigungsverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern“ (DS 8/6777) erklärt der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:
 

„Befristete Beschäftigung bleibt in Mecklenburg-Vorpommern ein verbreitetes Phänomen. 2021 waren im Land 156.991 Menschen befristet beschäftigt, 2025 waren es trotz eines Rückgangs immer noch 150.626. Hinter diesen Zahlen stehen mehr als 150.000 Menschen, die keine verlässliche berufliche Perspektive haben. Wer angesichts dieser Situation weitere Befristungsmöglichkeiten schaffen will, setzt das falsche Signal. 

Besonders häufig sind befristet Beschäftigte in der Gastronomie, im Handel sowie in der Instandhaltung und Reparatur, im verarbeitenden Gewerbe und im Bereich der sonstigen Dienstleistungen zu finden. Zuletzt waren mit 80.954 Beschäftigten mehr Männer als Frauen (69.672) im Nordosten befristet beschäftigt. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 25- bis 55-Jährigen mit in Summe 98904 befristet Beschäftigten. 88.916 Menschen waren 2025 befristet vollzeitbeschäftigt, weitere 61.710 in befristeter Teilzeit.

Diese Zahlen zeigen, dass Befristung längst kein Randphänomen für Berufseinsteiger oder einzelne Sonderfälle ist. Sie betrifft Menschen mitten im Erwerbsleben und vielfach in ganz normalen Vollzeitjobs. Wer arbeitet, muss jedoch auch die Möglichkeit haben, sein Leben verlässlich zu planen. Die Pläne der Bundesregierung, mit denen die Möglichkeiten zur sachgrundlosen Befristung ausgeweitet und der Zeitraum auf vier Jahre verlängert werden sollen, sind daher abzulehnen. 

Das von der Bundesregierung ins Feld geführte Argument, mehr Flexibilisierung würde automatisch mehr Arbeitsplätze schaffen, trägt nicht. Die Forschung zeigt keineswegs einen solch simplen Zusammenhang. Vielmehr besteht die Gefahr, dass bestehende Arbeitsverhältnisse lediglich länger befristet bleiben. Zudem wird das unternehmerische Risiko hier noch stärker auf die Beschäftigten verlagert. Es ist bekannt, dass befristet Beschäftigte schwieriger geeigneten Wohnraum finden oder einen Kredit genehmigt bekommen. Dies erschwert nicht nur die Familien-, sondern die gesamte persönliche Lebensplanung. Hinzu kommt eine schwächere Position im Betrieb. Wer weiß, dass sein Arbeitsvertrag ausläuft, wird sich genau überlegen, inwieweit er sich mit Nachdruck für gewerkschaftliche Anliegen wie bessere Arbeitsbedingungen engagiert. 

Eine Befristung ist deshalb nicht nur eine Frage des Datums auf dem Arbeitsvertrag. Sie verändert auch das Machtverhältnis zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern. Gute Arbeit bedeutet nicht nur, überhaupt einen Job zu haben. Gute Arbeit bedeutet auch, eine verlässliche Perspektive zu bekommen!“

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