Ohrfeige für Arbeitnehmer:innen
Zu den Aussagen von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, die eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ins Spiel gebracht hat, erklärt die Vorsitzende der Linksfraktion, Jeannine Rösler:
„Die Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit geht an der Lebensrealität vieler Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorbei. Wer ein Leben lang körperlich hart gearbeitet hat, verdient eine Rente, von der man leben kann – nicht den Zwang, bis 70 oder 75 durchzuhalten. Die eigentliche Ursache für Altersarmut ist nicht ein zu kurzes Arbeitsleben, sondern ein zu niedriger Lohn. Der aktuelle Mindestlohn reicht bei weitem nicht aus, um nach 45 Jahren Arbeit eine auskömmliche Rente zu erhalten.
Es ist abstoßend, wie die Wirtschaftsministerin Menschen ausschließlich aus der Verwertungslogik heraus betrachtet. Statt immer neue Belastungen für die Beschäftigten zu fordern, braucht es einen grundlegenden Kurswechsel. Dazu gehören armutsfeste Löhne, eine verlässliche auskömmliche Rente und eine Arbeitswelt, die die Gesundheit der Menschen schützt. Wer heute über längere Lebensarbeitszeiten spricht, ignoriert die gesundheitlichen Belastungen vieler Berufsgruppen.
Für meine Fraktion steht im Vordergrund, dass die Menschen im Berufsleben und dann auch in der Rente möglichst lange gesund bleiben. Daher haben wir mit der Einführung des Präventionspreises Mecklenburg-Vorpommern einen wichtigen Schritt gemacht, um das Thema nach vorne zu bringen. Nur wer sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt und gesund bleibt, kann auch einen Beitrag zur Produktivität seines Unternehmens leisten. Davon profitieren alle, sowohl die Beschäftigten als auch die Unternehmen selbst. Genau an dieser Stelle sollte auch die Bundeswirtschaftsministerin ansetzen und nicht solch eine lebensfremde Diskussion über zu kurze Lebensarbeitszeit anzetteln.“
