Diese Website verwendet Cookies.
Skip to main content

Förderpolitik des Landes in Sachen Nutzung mobiler Endgeräte (IPads) an Schweriner Schulen scheitert

Am Beispiel der Landeshauptstadt zeigt sich exemplarisch, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit in Sachen digitaler Lernstrategien und die Schaffung notwendiger technischer Infrastruktur (z.B. flächendeckende WLAN-Netze an Schulen) auseinanderdriften. Wenn die Situation in einem urbanen Zentrum M.-V. s sich bereits derartig defizitär gestaltet, lässt dies die Vermutung zu, dass es in weiten Teilen des ländlichen Raums kaum besser steht.

LINKE und ASK stellten im Zusammenhang mit der jüngsten Beschaffung von 1.500 iPads aus dem Förderprogramm der Regierung für die Schulen der Landeshauptstadt einige kritische Nachfragen. Die Antworten der Verwaltung zeigen: Gut gemeint und gut gemacht sind bedauerlicherweise nicht selten in der Politik zwei verschiedene Paar Schuhe.

Hintergrund: Die Landeshauptstadt Schwerin (LHS) erhielt eine Zuwendung in Höhe von ca. 736.000 Euro für die Beschaffung von mobilen Endgeräten. Neben den Geräten ist auch die Inbetriebnahme sowie ausgewählte Zusatzausstattung förderfähig. Für die hohen Folgekosten, die für Wartung und sonstige technische Serviceleistungen anfallen, steht indes die Kommune in der Verantwortung. Die Praxis zeigt: In nicht wenigen Schulen und Lehrerzimmern der Landeshauptstadt grummelt es. Das Vorhandensein von mobilen Endgeräten bei mangelhafter technischer Infrastruktur und multiple belasteten Pädagog*innen in den Schulen in Coronazeiten macht auch das beste schulische Medienkonzept nicht wett – sofern letzteres überhaupt lokal vorhanden ist. Aber der Reihe nach. 

Auch Bildungseinrichtungen, die im Schulalltag nicht auf die oft überlastete digitale Lernplattform „itslearning“ setzen, sondern alternative Systeme nutzen, sind strukturell benachteiligt. Die IPads sind weder für alternative Angebote präkonfiguiert, noch ist es den Schüler*innen möglich, etwa Bearbeitungsstände im Unterrichtsverlauf direkt auf dem Gerät abzuspeichern. In jedem Falle müssen Lehrer*innen und Schüler*innen auf den Cloud-Speicher zurückgreifen. OFF-Line-Optionen zur Nutzung der didaktischen Materialien sind oftmals nicht vorhanden.

„Pädagog*innen und Schüler*innen sind ergo stets auf eine funktionierende WLAN-Verbindung angewiesen, um überhaupt sinnvoll in der schulischen Praxis das Gerät nutzen zu können. Dieser Anspruch scheitert indes bereits an vielen Schulen der Landeshauptstadt aufgrund der vielfach desolaten technischen Ausstattung der Bildungseinrichtungen!“, erklärt Dr. Daniel Trepsdorf, Vorsitzender des Kulturausschusses und Stadtvertreter der LINKEN, „Hier wurden die Schulen und viele engagierte Lehrkräfte über Jahre hingehalten und schließlich ausgerechnet im COVID-Pandemiejahr im Stich gelassen, was gravierende Zweifel an der schulischen Digitalstrategie der Landesregierung aufkommen lässt. IPads ohne Internetverbindung und mangelnde digitaltechnische Infrastruktur sind wie Turnschuhe ohne Sohlen. Beides eignet sich anscheinend gut für repräsentative Medienbilder, ist aber in der harten Schulwirklichkeit kaum zu gebrauchen!“, und weiter: „Zudem können sich viele Familien, die sozial nicht privilegiert sind, auch für Zuhause selten die teuren Mobilflatrates oder Zusatzausstattungen z.B. Headsets und digitalen Eingabestifte – leisten, die zum produktiven Lernen der Kinder mit dem Gerät oft unabdingbar sind. An dieser alltagsrelevanten Stelle wurde der an und für sich gute Ansatz der Beschaffung digitaler Endgeräte von den Verantwortlichen im Bildungsministerium schlicht und ergreifend nicht zu Ende gedacht.“

Zudem beginnt und endet Schule trotz aller digitalen Formate stets mit dem in ausreichender Zahl vorhandenen, gut qualifizierten pädagogischen Personal. Auch hier muss nicht nur in Schwerin, sondern landesweit aufgestockt werden. – Die Technik, das Web 2.0 und mobile Endgeräte liefern lediglich die digitalen Instrumente: Aber erst durch Fachkräfte und motovierte Schüler*innen in überschaubaren Klassen kann der zeigemäße digitale Wandel gelingen.

Schulen in der Landeshauptstadt mit fehlender oder mangelhafter technischer Infrastruktur (WLAN-Netze):

 Grundschule Schweriner Nordlichter

 Friedensschule

 Fritz-Reuter-Schule

 Grundschule Lankow

 Nils-Holgersson-Schule

 Grundschule „Am Mueßer Berg“

 Fridericianum

 Goethe-Gymnasium

 Abendgymnasium

 Bertolt-Brecht-Schule

 Werner-von-Siemens-Schule

 Astrid-Lindgren-Schule (Grundschulteil sowie weiterführende Schule)

 Berufliche Schule Wirtschaft & Verwaltung

 Berufliche Schule Gesundheit und Sozialwesen

 Schule am Fernsehturm "Sonderpädagogisches Förderzentrum",

 Mecklenburgisches Förderzentrum für Körperbehinderte

 Albert-Schweitzer-Schule mit Klinikschulteil

 John-Brinckman-Schule

 Sportgymnasium (in Planung)

 Erich-Weinert-Schule (in Planung)

 Berufliche Schule Technik (in Planung)

Bildquelle: www.tablet-für-die-schule.de