Arbeitsmarkt in M-V zeigt sich robust – Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen haben es jedoch schwer
Zum Arbeitsmarktbericht November 2025 erklärt der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:
„Grundsätzlich zeigt sich der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern zum Jahresende robust. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mit aktuell 63.600 Betroffenen auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Doch wie immer lohnt ein Blick auf die Details. So stiegen sowohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen (+ 1,3 Prozent) als auch jene der Menschen mit Behinderungen (+ 1,1 Prozent) im Vergleich zum November 2024 an. Beide Gruppen haben es schwerer als andere, wenn es darum geht, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Langzeitarbeitslose haben vielfach mit Vorurteilen wie mangelnder Motivation oder fehlenden Qualifikationen zu kämpfen. Zudem erschweren individuelle Vermittlungshemmnisse, wie gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Mobilität oder nicht abgesicherte Betreuungsnotwendigkeiten, den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt. Gerade in Zeiten, in denen die Wirtschaft nicht floriert, greifen Arbeitgeber zudem lieber auf weniger risikobehaftete Personen zurück.
Daran wird auch die geplante Abschaffung des Bürgergeldes und die Einführung der sogenannten neuen Grundsicherung nichts ändern. Statt passgenauer Vermittlung, Augenhöhe und besser ausfinanzierten Instrumenten zur Stabilisierung der Betroffenen sowie zur Sicherung sozialer Teilhabe wird ein massiver Angriff auf Leistungsberechtigte gestartet und deren Existenz bedroht. Was als Reform tituliert wird, untergräbt grundlegende Rechte von Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, ignoriert deren Lebensrealitäten und taugt daher nicht zur Lösung arbeitsmarktpolitischer Herausforderungen.
Unbefriedigend ist auch die Lage der Menschen mit Behinderungen. Obwohl mehr als die Hälfte aller von Arbeitslosigkeit betroffenen Schwerbehinderten über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt, werden sie zu selten von Unternehmen eingestellt. Vielfach zahlen diese nach wie vor lieber die Ausgleichsabgabe, die fällig wird, wenn nicht 5 Prozent der vorhandenen Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt wurden. Trotz aller Appelle an die Unternehmen, diese Zielgruppe stärker in den Fokus zu nehmen, bleiben durchschlagende Erfolge bislang aus. Offenbar halten sich auch hier hartnäckig Vorurteile, wie die Annahme geringerer Produktivität oder höherer Anleitungsbedarfe. Vielfach fehlt auch das Wissen um zur Verfügung stehende Hilfen und es mangelt an Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz. Dies ist bedauerlich, denn so bleiben wertvolle Potenziale ungenutzt.“
